Copa Padre Fink 2017

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Liebe Lena,
nach deiner Zeit als PENTANER sind wir natürlich gespannt wie es dir auf deinem neuen Lebensweg ergeht und welche Erfahrungen du mit uns teilen kannst.
Welche Pläne hattest du für die Zeit nach deinem Praktikum und was hast du in den letzten Wochen unternommen?

Ich habe eigentlich gedacht, dass ich nach diesem halben Jahr genau wissen werde, was ich danach machen möchte, aber wie so oft kommt dann doch alles anders. Diese Zeit hier in Ecuador hat mir gezeigt, dass vieles auch ohne penible Planung funktionieren kann. Ich habe meine Zeit hier lieber in vollen Zügen genossen. Meine Gedanken über meine Zukunft mache ich mir, sobald ich wieder in Deutschland bin.
Aber fest steht, dass ich meinen Master machen und arbeiten möchte. Mal sehen was, wann, wo, und wie.

Was hast du in den letzten Wochen unternommen?
In meinen letzten Wochen habe ich noch einmal viel mit meinen Kollegen hier im Casa Hogar de Jesús unternommen, die mir in diesem halben Jahr sehr ans Herz gewachsen sind. Ich konnte sogar meinen Geburtstag mit allen Kids feiern. Da gab es Piñatas für die Kids (und mich).
Anschließend war ich noch mit einer Freundin zwei Wochen auf Reisen in der Sierra Ecuadors, um noch mehr Eindrücke von diesem wunderschönen Land mit nach Hause zu nehmen.

Wie war dein erster Eindruck von Ecuador als du aus dem Flugzeug gestiegen bist?
Der Flughafen in Quito ist sehr neu und ich wurde super nett empfangen, deshalb war meine Ankunft sehr angenehm. Nach einer vierstündigen Fahrt sind wir spät abends in Santo Domingo de las Tsáchilas angekommen und alles hat mich sehr an Santiago de Cuba während meiner Cuba Reise erinnert: Laut, hektisch, schlechte Luft und viel Verkehr. Mein erster Gedanke war: Hoffentlich sieht das bei Tageslicht besser aus!
Im Heim habe ich mich aber sofort wohl gefühlt. Alles ist sehr gepflegt und ein paar Kinder haben mich sofort mit offenen Armen empfangen.

Wie denkst du jetzt über das Leben in Ecuador? Hat sich dein erster Eindruck bestätigt?
Nach ein paar Tagen habe ich mich an die Stadt gewöhnt und obwohl ich Santo Domingo immer noch für keine schöne Stadt halte, habe ich mich mit ihr arrangiert und ihr Chaos irgendwie lieb gewonnen.
Aber zum Glück hat Ecuador so viele wunderschöne Orte, dass man sich jedes Wochenende in einen Bus setzen kann um dem Groβstadtgetümmel zu entfliehen und in eine andere Welt einzutauchen. Und wenn man sich unvoreingenommen auf die Kultur einlässt, lernt man das Land sehr schnell kennen: Ecuador ist ein sehr interessantes Land mit vielen Gegensätzen: Es herrscht viel Angst und Unsicherheit in der Gesellschaft geprägt durch die leider viel zu präsente Kriminalität im Drogenhandel. Zudem bestehen immer noch viele soziale Probleme, wie die Rechte der Frauen in der Gesellschaft, die hohe Anzahl an viel zu jungen Müttern und ein besseres Gesundheitssystem. In diesen Bereichen muss sich Ecuador Schritt für Schritt verändern. Aber in so vielen Dingen hoffe ich, dass dieses Land seine positiven Werte beibehält: Hier sind die Menschen so herzlich, spontan, temperamentvoll und zauberhaft, dass man sie einfach lieb haben muss.

Nachdem am 16.09. das alljährliche Benefizfußballturnier Copa Padre Fink in München stattfinden wird, interessieren wir uns vor allem für das Kinderheim, in dem du arbeitest. Erzähl uns doch bitte etwas über das Heim und die Kinder die dort leben.
Das Casa Hogar de Jesús ist ein Kinderheim für Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren. Die Kinder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, aus Armut, aus kriminellen Kreisen und waren meist Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch. Alle Mitarbeiter im Casa Hogar helfen dabei den Kindern wichtige Werte und Menschlichkeit zu lehren. Kinder ohne ausreichende Schulbildung werden in einem extra Schulprogramm für die Eingliederung in eine normale Schulklasse vorbereitet. Das Ziel ist es jedem Einzelnen die Werkzeuge in die Hand zu geben, sich später ein besseres Leben aufzubauen.
Natürlich ist die Arbeit mit den Kindern im Casa Hogar de Jesús anstrengend und herausfordernd, aber ich war doch immer wieder erstaunt wie bezaubernd diese Kids sind, obwohl jeder seine eigene traurige Geschichte mit sich trägt. Wenn man sich ihnen öffnet, bekommt man so viel Liebe zurück und man freut sich über alle kleinen Erfolge und Entwicklungen, die man an den Kindern wahrnimmt.
Parallel arbeiten die Sozialarbeiter des Heims mit den Familien der Kinder, damit vielleicht die Chance besteht, dass sie alle wieder zusammen leben können. Wir haben allerdings auch Waisenkinder, die eine sehr lange Zeit im Casa Hogar de Jesús verbringen werden.

Welche Aufgaben übernimmst du im Heim, um den Kindern zu helfen und wie können wir von München aus helfen?
Wenn mich jemand fragt, was ich dort gemacht habe, sage ich immer: Alles.
Hier packt man bei allem was anfällt mit an und selbst wenn es einen Arbeitsplan gibt, heiβt das noch lange nicht, dass dieser morgen noch besteht. Diese ecuadorianische Spontanität macht die Sache aber erst spannend und gerade für einen Kontrollfreak wie mich, war das genau das richtige.
Ich habe viel Zeit damit verbracht mit den Kindern und Jugendlichen Englisch zu lernen. Ich hatte eine Englischklasse bei unseren Jungs mit Lernschwäche, drei Klassen in der Schule der Kids und tägliche Nachhilfe mit den Großen.
Zudem haben wir Freiwilligen oft mit den Kindern gekocht und gebacken (hier habe auch ich viel dazu gelernt). Ansonsten fallen im Alltag Begleitungen zu Arztterminen, Bestellung und Beschaffung von Medikamenten, Sanitärprodukten und Kleidung an.
Eine weitere Aufgabe war den kleinen Emiliano (3 Jahre alt) jeden Tag in den Kindergarten zu bringen und abzuholen. Der kleine Knirps wird mir sehr fehlen!
Bei der Frage, was ihr aus München tun könnt, denkt man sofort erstmal an Geldspenden. Das stimmt natürlich auch. Gerade für die medizinische Versorgung der Kinder und die Schulbildung (Uniformen, Schulgebühren, Materialien) fallen monatlich sehr hohe Kosten an und leider kommt hier zu wenig Unterstützung vom Staat.
Aber nicht nur das Geld ist wichtig. Sicherzustellen, dass das Projekt in Deutschland gekannt wird, ist ebenso wichtig. Deshalb ist der Beitrag von eurem Copa Padre Fink ganz toll, da ihr das Projekt weitertragt und das Casa Hogar tatkräftig unterstützt.
Vielen Dank dafür und ganz viel Spaβ beim diesjährigen Copa! 

Vielen Dank, liebe Lena, für deine offenen Antworten. Wir wünschen dir alles erdenklich Gute für deine kommende Zeit. Möchtest du uns noch ein letzten Satz oder Rat mit auf den Weg geben, der dich in deiner Zeit in Ecuador begleitet hat?
Donde quieras que vayas – ve con todo tu corazón. Wohin du auch gehen willst, gehe mit deinem ganzen Herzen.
Dieser Spruch steht hier an einer Wand im Kinderheim und passt sehr gut zu meinem halben Jahr hier im Casa Hogar de Jesús.

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